Großer Wurf oder neue Lümmel-Ecke?
CDU-Diskussionsrunde zur Oldesloer Innenstadt und dem Stadtumbau
Nein, die CDU macht in diesem Jahr keinen Neujahrsempfang. Aber das hält die Christdemokraten natürlich nicht davon ab, zu einer Diskussionsveranstaltung einzuladen und dabei auch ordentlich Kritik einzustecken – das Thema Stadtumbau und Innenstadt polarisiert eben.
Siegfried Wobig erläuterte kurz, was da zwischen Bahnhof und Fußgängerzone gemacht werde und warum. Ziel sei es, eine bessere Anbindung des Bahnhofs an die Innenstadt zu bekommen. „Die Wege für Radfahrer und Fußgänger werden klar definiert und aufgewertet“, so Wobig. Vor allem Auswärtige hätten Schwierigkeiten, den Weg in die Innenstadt zu finden. „Sie werden zugeben müssen, dass das, was schon fertig ist, besser aussieht als vorher.“ Da hatte der Altmeister der CDU ja was gesagt. „Im Sommer werden da nur junge Leute rumlümmeln. Das schreckt Besucher ab“, kam prompt von einem Zuhörer zurück. Doch das konnte Wobig nicht beeindrucken: „Wissen Sie, Pottmöller hat fünf Jahre nicht mit mir geredet, weil ich damals für die Errichtung der Fußgängerzone war. Dann hat er zugegeben, dass es die richtige Entscheidung war.“ Für Kaufhausbetreiber Michael Hänchen ist das schon jetzt klar: „Es steht außer Frage, das wird eine Aufwertung!“
Einige Geschäftsleute in dem Bereich beklagen momentan allerdings teils dramatische Umsatzeinbrüche. Das liege an den langwierigen Bauarbeiten und daran, dass die Kunden nicht wüssten, wie die aktuelle Verkehrsführung sei. „Es gibt immer Probleme während der Umbauzeit“, bedauerte Ortsvorsitzender Wulf Henning Reichardt.
Natürlich kam auch ein anderes leidiges Thema wieder hoch. „Parkplätze bedeuten Kunden, und Kunden bedeuten Umsatz“, machte Martin Wittmar klar. Es könne doch nicht sein, dass zur Bürgerbeteiligung eingeladen werde, bei diesen Talks im Stadtteil sei deutlich die Forderung erhoben worden, keine Stellplätze wegfallen zu lassen, aber am Ende werde doch anders beschlossen. Nein, da hatte Wobig eine abweichende Sichtweise: „Natürlich ist es bitter, wenn vor der eigenen Tür zwei Parkplätze wegfallen. Aufgrund der Verkaufsflächen bräuchten wir 561 Stellplätze. Wir haben inklusive Exer aber 1260.“ Von einem Mangel könne also keine Rede sein, für ihn zähle deshalb das Ergebnis.
Die CDU sieht auch im Rest der Innenstadt Handlungsbedarf. C & A als Ersatz für das Kaufhaus sei nicht der benötigte Frequenzbringer. Beim Kaufhaus am Markt ist Wobig skeptisch: „Da muss mehr passieren als nur eine Vergrößerung des Schuhangebots.“ Als Alternative brachte er noch mal die Idee eines Supermarkts auf dem Exer mit Fußballplatz auf dem Dach ins Gespräch sowie die Überlegung, auf dem Peters-Parkplatz ein Geschäft anzusiedeln.
Eine Steilvorlage für den Parteirebellen Matthias Rohde: „Warum geht C&A da hin, wo kein Oldesloer es haben will? Weil es woanders nicht zu Potte gekommen ist, weil es an der Unterstützung der Verwaltung mangelte. Wenn man die Hände in den Schoß legt, kommt das dabei raus, was wir haben.“ Die CDU habe es abgelehnt, für Gespräche des Bürgermeisters mit dem M & H-Investor zu stimmen und sah auch keinen Bedarf, die Bebaubarkeit des Peters Parkplatzes prüfen zu lassen. Entsprechende Anträge hatte die FBO eingebracht, also Rohdes Frau Patricia und Heinz Drenkberg, die die CDU im Zorn verlassen haben.
Die Führungsriege von Partei und Fraktion äußerte sich dazu nicht öffentlich. Hinter vorgehaltener Hand war allerdings zu hören: „Rohde war doch lange genug auf den Schlüsselpositionen und hätte das anstoßen können. Aber es geht eben nicht, weil die Besitzverhältnisse so schwierig sind, denn das Grundstück gehört nicht der Stadt alleine.“
Andreas Olbertz





