Friese gibt der Familie Vorrang
Lübecker Nachrichten vom 18. Februar 2012
Der SPD-Kommunalpolitiker legt in Bad Oldesloe seine Ämter nieder.
Der Bad Oldesloer Jens-Peter Friese ist von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Er ist nicht mehr Mitglied der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung und er leitet auch nicht mehr als Vorsitzender den Ortsverein. Dabei kann von politischer Unlust keine Rede sein, Friese hat sich zu diesem Schritt entschieden, um sein Familienleben nicht zu gefährden, um mehr Zeit für Ehefrau Ulrike und Sohn Lars-Pieter zu haben. Politik frisst Familie auf – das kann passieren, Friese will es nicht so weit kommen lassen. Deshalb jetzt die Reißleine und der komplette Rückzug, der Schnitt und zwar lange vor der Kommunalwahl kommendes Jahr. Friese, der seit vielen Jahren als Hausmann aktiv ist, ist den beinahe klassischen Weg eines Politikers gegangen, zumindest eines SPD-Politikers: Schon während seiner Ausbildung engagiert er sich gewerkschaftlich, arbeitet im Betriebsrat mit. Sohn Lars-Pieter wird geboren, Friese nimmt Erziehungsurlaub und bleibt später als Hausmann ganz zu Hause. Er findet schnell den Weg in die Bad Oldesloer SPD, als bildungspolitischer Sprecher macht er sich einen Namen. Immer mehr Zeit investierte der Bad Oldesloer in sein Ehrenamt. „Ich bin immer mehr eingebunden worden, ich habe aber auch nie gelernt, nein zu sagen“, zeigt sich der Politiker selbstkritisch. „Ich war fünf Tage die Woche unterwegs, der Haussegen hing schon sehr schief.“ Denn immer wenn seine Frau von der Arbeit als Leiterin einer Rentenberatungsstelle nach Hause kam, verließ Friese selbiges. Eine mehr als „ungünstige“ Situation für das Ehepaar – über Jahre. So hat Friese sich jetzt für seine Frau, für seine Familie entschieden. „Meine Frau hat mich zehn Jahre unterstützt, und ich habe mein Ding gemacht.“ Gesundheitliche Gründe haben diesen Schritt begünstigt.
Er geht – natürlich – auch mit einem weinenden Auge. Sowohl die Arbeit als Vorsitzender des Ortsvereins – ein Jahr ist er im Amt – als auch die Arbeit als Stadtverordneter und im Bildungs-, Sozial und Kulturausschuss sind sein Leben. Sich zu engagieren, nah am Bürger zu sein, etwas zu bewegen, das ist sein Ding, aber „ich klebe nicht daran. Bei der Fraktionsarbeit war ich näher am Bürger, im Ortsverein ist die parteipolitische Aussage interessant. Zum Beispiel, was denkt der Ortsverein über Hartz IV“, erklärt Friese.
Wenn es um soziale Härten geht, wünscht er sich mehr Aufgeschlossenheit von allen Parteien. Beispielsweise im Kindertagesstätten- und Schulbereich. Politik soll mehr aufeinander zugehen: „Als die CDU noch die absolute Mehrheit hatte, haben wir viel mehr einstimmige Beschlüsse gehabt – bis auf den Steinfelder Redder, der war politisch nicht gewollt.“ Jetzt sei es schwieriger, dabei müsse es doch darum gehen, „Wege zu finden, die Bad Oldesloe gut tun“.
Als Beispiel nennt Friese die schwierige Entscheidung über die Schulsozialarbeiter an den Bad Oldesloer Schulen. „Es ist eine Notlösung, dass Oldesloe die bezahlen muss, denn es ist ganz klar eine Aufgabe des Landes oder des Bundes.“ Gleichwohl seien die Schulsozialarbeiter unabdingbar – und es gebe sie zum Glück. Friese ist ein Mensch, der nach Bauchgefühl handelt und genau diese „Bauchentscheidungen vermisse ich in der Politik.“
Erst Konditor, dann Hausmann
Jens-Pieter Friese wird 1966 in Lübeck geboren, wächst dort auch auf. Nach der Realschule lässt er sich zum Konditor ausbilden, die zweite Ausbildung macht er bei Van Houten in Norderstedt und arbeitet als Konfektmacher. 1996 zieht er zusammen mit seiner Frau Ulrike nach Bad Oldesloe, 1998 wird Sohn Lars-Pieter geboren. Friese nimmt Erziehungsurlaub, um später als Hausmann die Familie zu managen. Seit 2001 ist er bei der Bad Oldesloer SPD aktiv, als bildungspolitischer Sprecher der Partei, Mitglied im Fraktionsvorstand, Stadtverordneter und Ortsvereinsvorsitzender.
Von Kerstin Kuhlmann-Schultz




