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16.12.2017

Stormarner Wochenschau

Bauchpinseln
Jugendlichen, die sich im Kub treffen, weil dort Wärme und WLan locken. Andere Jugendliche, die sich an einigen Stellen in der Stadt treffen, Musik hören, es fließt Alkohol, und es wird laut. Das Problem im Kub löste man durch einen Sicherheitsdienst, andere Treffpunkte sollen durch das Schließen von Toren aufgelöst werden. Für die kleinen Travebrücker zwischen Hude und Heiliggeist hat der Ausschuss eine Schließung jetzt abgelehnt. Nun fragen sich die Bürger, die dort vom Lärm betroffen sind: Was tun? Nun, eine Möglichkeit wäre, miteinander zu sprechen. Vielleicht ein bisschen altmodisch, aber oft wirkungsvoll. Das gilt auch für Politik und Verwaltung. Und es hat nichts damit zu tun, „jemanden den Bauch zu pinseln“, wie der Bürgermeister es mal ausdrückte. Sondern damit, die Bedürfnisse der Bürger ernst zu nehmen– die Bedürfnisse aller Bürger!


Abstellgeis
Ob etwas richtig oder falsch ist, hängt nicht nur von der Sache selbst ab, sondern bei vielen Dingen auch von der Zeit. Es war zwar visionär, als die Oldesloer vor über 30 Jahren beschlossen, das alte EBOE-Bahngleis in den Sandkamp zu verlängern und die Gewerbeflächen nur an Unternehmen zu verkaufen, die ihre Waren auch per Bahn an- oder abtransportieren. Auch vor 40 Jahren war es schon politisch angesagt, Güterverkehre von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Den schönen Worten folgten aber (wie so oft) keine Taten. Im Gegenteil. Die Bundesbahn wurde immer unflexibler, und Autobahnen wurden ausgebaut. In der Realität spielte sich also das Gegenteil dessen ab, was in den Sonntagsreden gesagt wurde. Kostenfaktoren und Flexibiltät sorgten dafür, dass sich die Transporte nicht von der Straße auf die Schiene, sondern andersherum verlagerten. Mittlerweile gibt es nicht nur die Maut und die Logistikzentren der Discounter und Internet-Versender, auch das Preisdumping der Lkw ist zu Ende. Der Brummifahrer ist nicht mehr der Kapitän der Landstraße, sondern allzu oft ein schlecht bezahlter Kraftfahrer, zu dessen persönlichen Lasten auch Staus und Wartezeiten gehen. Dafür sind dann auch noch die Anforderungen an den Beruf gestiegen. Kein Wunder also, dass viel mehr „Kapitäne“ aussteigen als Kraftfahrer nachkommen. Man muss also noch nicht mal die Vernunft oder die Ökologie bemühen, um viele Argumente für den Bahntransport zu finden. Die Zeit ist einfach reif – nicht nur zum Umdenken, denn das gibt es schon lange, sondern zum Handeln. Dass Oldesloe zu diesem Zeitpunkt aus Kostengründen den Beschluss fassen musste, das Industriegleis stillzulegen, ist ein Treppenwitz. Vor 40 Jahren war man bereit, Geld zu investieren und bei der Vermarktung ins Risiko zu gehen. Nur dass es damals falsch war. Heute wäre es richtig. Aber wer hat jetzt Mut und Geld?

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